Hello my friends and welcome to a new world order,
Es tut mir wahrlich leid, dass ich so ein fauler Blogger bin. Das neue Leben hier hat mich allerdings voll im Griff. Ich empfehle euch daher immer ganz ungeniert mein Skype zu penetrieren, denn wenn ich etwas schätze, dann ist es das persönliche Gespräch. Das Semester hier ist inzwischen in der Halbzeit angekommen und ich kann euch versprechen, die Ansprüche hier sind (trotz Minimum 5.ooo $ pro Kurs) und zu meiner Überraschung immens hoch. Selbstverständlich versuche ich die harte Studienzeit nach Weimarer Abendmanier etwas zu filtern, doch kein Miami kann Weimarer Geselligkeit und Narren ersetzen. Kurzum, und etwas zu sentimental für meine Person, ich vermisse euch! (Auch wenn der Kommunikationsfluss etwas anderes vermuten ließe.)
Zum Studium (wie spannend)
Wie gesagt, der Arbeitsaufwand an amerikanischen Universitäten ist zermürbend. Das Studium ist recht straff organisiert. Neben drei Vorlesungen á drei Stunden wird hier fast alles über ein onlinebasiertes Kommunikationssystem (Blackboard) abgewickelt. Pro Kurs bedeutet dies die aktive Beteiligung an einem Diskussionsforum mit drei wöchentlichen Themen, die kommentiert werden müssen. Daran sind wiederum bestimmte Readings (ausschließlich Research Paper oder Jounals) gebunden. Dazu kommt das Verfassen eines eigenen, mindestens wöchentlich publizierten Journals; das Redigieren eines Buchentwurfs der Professoren („International Relations in a Constructed World“) sowie das Absolvieren von wöchentlichen Multiple Choice - Onlinetests. Gleichwohl, werden in Gruppenprojekten noch Lehrmodule erarbeitet. Das bedeutet konkret: 20 Seiten Weisheit zu ökonomischen, politökonomischen oder strategischen Fragestellungen. Einmal erledigt, werden dann noch Lehrmodule für die floridianischen Highschools angefertigt. Wie einige von euch vielleicht ahnen, mangelt es an gewöhnlicher Schulbildung hier vor Ort. Das liegt zum größten Teil am Geld, aber auch an der Qualifikation der Pädagogen. Meine Lorbeeren kommen diesbezüglich von einem „Das ist die EU und so funktioniert der locus terribilis“ Beitrag. Insgesamt sind das dann 100 % der Benotung, wenngleich in einem Kurs noch ein Research-Paper samt Präsentation und eine klassische Klausur hinzu kommen. Demnach sehne ich mich schon ein bisschen nach der Weimaraner "teaching policy" zurück.
Die Professoren gehören tatsächlich zu einer Art Elite hier in den USA (Ja, das hat doch etwas heimeliges von Weimar). Es ist, so glaube ich, wie mit den deutschen und amerikanischen Rentnern, die sich am Ende ihrer ansehnlichen Laufzeit alle nach Florida zurückziehen. Eine Auswahl meiner Professoren sind der ehemalige Ambassador der USA zu den United Nations (Burleigh), Dr. Vendula Kubalkova als Koryphäe der Internationalen Beziehungen und Dr. Werther ein ökonomischer Guru mit der Spezialisierung auf Organisations-, Innovationsmanagement und Spieltheorie. Neben den ganzen Studienbemühungen besänftigt mich die University of Miami tagtäglich mit ihrem begeisternden Serviceangebot. Angefangen von diversen Clubs (Advertisement Club, Movie Club, Scuba Club…), über das Career-Center (Wer bin ich, was will ich und wer will mich?), das (Learn) Writing Center, das Wellness Center, den Universitätspools, das Universitätskino, die Tennisplätze bis hin zur eigenen Busflotte und den eigenen Sportteams – es ist großartig. Aber gut, bei 20 Studenten pro Semester in meinem Kurs verdient die Universität auch gleich mal über 1 Million Dollar. Da bleibt sicher etwas übrig. Zumal meine Präsidentin unter Clinton Gesundheitsministerin war. Sie wird schon wissen, wie man’s macht. Obwohl, man munkelt die UM hat im Kontext der Finanzkrise gut 40% ihrer Reserven verspielt.
Wie auch immer, ich werde wohl doch etwas länger hier bleiben als erwartet. Diejenigen unter euch, die ja dann auch meine Freunde sind, kennen mich als ehrgeizigen Zeitgenossen. Das scheinen auch meine Dekanin und andere spitzfindige Professoren vor Ort bemerkt zu haben und laden mich deshalb für ein weiteres Stipendium ein, was wenigstens einen Teil der Tuition hier decken wird. Nunmehr schmiede ich also verschiedenste zeitliche und finanzielle Pläne um als frisch gebackener Master of Arts in International Administration nach Deutschland zurückzukehren. Zeitlich bedeutet, wir sehen uns dann im August oder Dezember 2009 wieder. Das hängt davon ab, ob ich zwischen Mai und August tatsächlich einen Austausch nach China vollziehen möchte, um vor Ort ökonomische Fragestellungen der fortkommenden Weltmacht in Relation zu unseren schwachen Westsystemen zu eruieren. Finanziell bedeutet dies, Lotto spielen, Stipendienbewerbungen schreiben und auf einen Glücksmoment warten, der mir Geldmittel in Höhe eines nagelneuen Volvo XC60 zur Verfügung stellt. Aber gut, was soll der Geiz. Alles für die Bildung!
Zum Leben
Wie vielleicht zuvor den Anschein erweckt, besteht das Leben nicht nur aus Bildungs-Hochkultur. Wer mich kennt, weiß sehr wohl, ich brauche meine Momente der Entspannung. Viele haben sicher auch schon von dem schönen Strand in South Beach gehört. Da bin ich hin und wieder, doch die Steroiden und plastischen Schönheitsmonster sind dann doch eher etwas beunruhigend für meinen Seelenausklang. Von daher vergnüge ich mich lieber mit Tennis, Golf und Strand in meiner Nachbarschaft Coral Cables. By the way, in Florida sind mehr Golfplätze als im Rest Amerikas. Und das Feine ist, für Studenten ist der bourgeouse Spaß auch noch kostenfrei. Ansonsten habe ich die Freude mit einem Mädchen zusammen zu wohnen, derer Freund Musiker im New World Symphony Orchestra Miami ist. Das ist dann die nächste Happy Hour für mein Budget und eine absolut prima Kur! Das Nachtleben habe ich auch schon probiert. Das ist doch tatsächlich sehr unbefriedigend. Ich, als kranker Sneaker-Kollektor, darf leider nur diese Schnöselschuhe tragen, um den Club zu entern. Das hat mich zunächst etwas gerührt, doch andererseits müssen die Mädchen dafür diese kurzen Röckchen tragen. Bei aller Emanzipation – das ist nur gerecht!
Mittlerweile habe ich auch schon meine Lieblingsstätten aufgetan. Das nennt sich dann so etwas wie „Whiteroom“. Die klugen und verarmten Studenten entern diesen Club vor Zwölf mit freiem Eintritt und trinken dann ab 0:30 Uhr kostenlos an der Bar (so-called Open Bar). Das ist aber auch schon das Maximum an finanzieller Freiheit, was ich hier bisher erleben durfte. Das totale Gegenteil mit minimalen 20 Dollar Eintritt und 12 Dollar für einen leckeren Drink , aber dennoch ganz nett, ist das Space, Opium oder der Mansion Club. Ich war da natürlich noch nie, weil ich doch so viel studieren muss. Nach unserer Donnerstags-Lecture stürmen wir meist nach Coconut Grove – ein Bezirk voller hungriger Studenten. Resümee: Lustige Gespräche, mit zunehmender Vernachtung unangenehme Gestalten und überall dieselbe Musik auf Rotation. Aber gut, ich bin anpassungsfähig! Das Wochenende wird dann wieder voll dem Studium gewidmet und die wenige Freizeit in Ausflüge nach Key West, Orlando oder New York genutzt. Letzteres war eine prima Überraschung der Studienstiftung, die uns nach NY und an die Princeton University (architektonisch eine faszinierende Oxford-Kopie) eingeladen hatte.
Jedenfalls, die USA hat ab Januar einen neuen Präsident und es war wohl auch eine gute Wahl. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, wie das ausgesehen hätte, wenn McCain mal irgendwann passed wäre und die „Sarah (bloody) Palin“ (Zitat Lecture Dr. K) dann die Weltmacht erhalten würde. Für Sie ist Afrika nämlich ein Land, so wie Deutschland oder wahrscheinlich auch Euroland, Australand oder whatever. Kurzum, schön locker bleiben. Es wird sich nicht viel ändern, außer das die Amerikaner nunmehr etwas mehr Hoffnung haben und hoffentlich ihr ganzes Geld in die Konjunktur schmeißen. Ich meine, jetzt wo doch die Gesundheitsversicherung und die Bildung nicht mehr kostet ;)
