




Hello my friends and peers,
nach exakt 9 abgebrochenen Landeanflügen im Tropensturm auf den Miami International Airport bin ich seit letzten Montag nunmehr in meiner vorübergehenden Wahlheimat Florida angekommen. Schlussendlich ist nach einer Woche fast alles in seinen Bahnen. Ich wohne hier in einem sehr hübschen Haus close to the campus of UM. Mein Zimmer ist auch schon fein eingerichtet. Die Mitbewohner, Lorraine (Texas) und Johnson (Asia), sind zwar Amerikaner, aber zugleich witzig und wirklich nett. Mein "Friends"-Konto steigt auch schon expotentiell an, wobei man hier in den Staaten schon sehr unterscheiden muss, wer die wahren Freunde sind. In der Regel sind das andere internationale Studenten, denn wir teilen ein Schicksal. Grundsätzlich ist hier jeder dein Freund, der einem ein einziges Mal vorgestellt wurde. Eine besondere Begegnung brachte mich mit dem ersten irakischen Fulbrighter zusammen, der mir von Tag zu Tag immer sympathischer wird >> Saban. Er lebt schon seit einem Jahr in Miami, studiert mein Programm und fühlt sich dazu erkoren, mir die Stadt mit all seinen Facetten vorzustellen. Ansonsten ist mein Programm mit 20 ambitionierten Studenten aller Altersgruppen aus 15 Nationen gefüllt. Hinzu kommen noch einige Alumnis, die mich ebenso mögen, wie ich sie. Dazu gehört neben Rodrigo, meinem fleißigen Helferlein vor Ort während ich noch in Deutschland war, noch Adam und Alex. Das sind Amerikaner, die wirklich gut unterwegs sind.
Nun gut, die erste Woche war, ganz ehrlich, unglaublich schwierig und anstrengend. was nicht nur an dem Tropensturm über Florida lag. Es gab an vorderster Front viel zu organisieren, aber auch viel Spaß. Das Universitätsleben hier ist sehr serviceorientiert. Die ersten Tage standen überall die Lakaien der Universität und leiteten durch den Campus. Es exisitieren Campus-Shuttles; das sind Busse die kostenlos durch den Campus, zum Supermarkt, an den Beach und ins Partyviertel fahren. Das geht weiter mit den Orientierungsveranstaltungen, bei denen es immer sehr viel kostenlosen und teilweise nützlichen Schabernack gab. Dazu gehören zum Beispiel Lunchpakete, T-Shirts, Taschen, Polizei-DVDs etc. pp. Und es endet mit sogenannten IT-Bootcamps, in denen man quasi alle Programme erlernt, mit denen man im laufenden Semester arbeiten wird. Eine weitere Besonderheit war das gestrige Presidents-Picnic. Da lädt die UM-Präsidentin Shalala alle internationalen Studenten in ihr Haus nach Coral Cables; Bands spielen, es stehen überall verschiedene Essstände und es gibt Free Drinks. Jeder kann mit ihr sprechen und fein Fotos machen. Im Übrigen denke ich nach dieser Begegnung das Universitätspräsidenten einer Privatuni in den Staaten wirklich viele Bucks verdienen müssen. Noch dazu war sie echt (!) nett. Das bringt mich gleich zu dem Thema der Identifikation mit der Universität. Innerhalb von wenigen Tagen identifiziert sich hier jeder Student mit der UM. Da gibt es kein "Ich bin von der Fakultät Medien oder Gestaltung", sondern nur "Ich bin ein Cane". Das ist fantastisch. Die University of Miami ist wie ein kleines Dorf organisiert. In der Mitte findet man das University Center mit Stores, Post, UM-Shop und allen denkbaren Fast-Food-Ketten. Drumherum finden sich die ansässigen Schools. Der UM-Shop bot im Rahmen des Programms "Green UM" letzte Woche ganz ansehnliche Cruiser (Fahrräder) zum Kurs von 60 $ an. Selbstverständlich habe ich bei diesem Schnäppchen sofort zugeschlagen und fahre jetzt 5 Minuten zur Uni, statt wie vorher bei 35 Grad knapp 15 Minuten zur Uni zu laufen. Nächste Woche geht die Football-, Baseball- und Basketball-Saison der unieigenen "Hurricanes" los. Das sind gewiss Events von großer Bedeutung, zu denen man den Zutritt quasi mit der Tuition bezahlt.
Das Wetter in Miami ist noch immer sehr anstrengend für mich. Die ersten Tage war, wie bereits kurz angerissen, ein böser Tropensturm über Miami zugange. Zugleich ist gerade nicht nur Hurricane-, sondern auch Regenzeit. Das heißt maximal einmal täglich gibt es richtigen Regen, der aber keine Abkühlung bringt. Die Ab- bzw. Unterkühlung findet man im Haus. die Klimaanlagen (sorry environment) sind zu einem bedeutendem Teil meines Lebens geworden. Man muss sich vorstellen, dass die Temperaturen hier tags und nachts zwischen 25 und 35 Grad schwanken. Entgegen den europäischen Gewohnheiten aus einem warmen Haus in die kalte Außenwelt zu steigen, verhält es sich hier genau andersherum. Die Temperaturen sind natürlich auch ideale Voraussetzung für tropische Tiere und Pflanzen. Ich kann mir hier zum Beispiel meine Kiwis und Kokosnüsse vom Baum pflücken, was auch echt angesagt ist, denn die Supermarktpreise sind für deutsche Verhältnisse höllisch (Fünf Äpfel, eine Packung Käse, ein Shampoo kostet alles so um die 6 Dollar) Die tropischen Tiere sind bist jetzt noch ganz artig. Durch den Campus gibt es einen kleinen Bach, der in unseren Campus-See mündet. Dort tummeln sich auch die Alligatoren (runde Nase, ängstlich), die im Vergleich zu Krokodilen aber echt harmlos sind. Meine erste Real-Life-Begegnung hatte ich bei meinem ersten Campus-Besuch mit einem Chamäleon. Das war auch artig. Auf der Straße begegnen einem regelmäßig so kleine Echsen, die aber auch sehr schüchtern sind und immer gleich ausreißen. Die Krokodile (breites Maul, aggressiv) und die Haie kommen meist nur zum Vorschein, wenn es Nacht ist oder regnet. Die stellen aber im Vergleich zu den vielen bewaffneten Gangstern ein vergleichweise geringes Risiko dar. Waffen, Turnhosen und ein ausgeprägter Hass auf Weiße stellen in einigen Neighboorhoods von Miami keine Seltenheit dar. Nicht empfehlenswert ist dabei insbesondere die 62th Straße, zu der ich mich direkt am ersten Tag verlaufen habe. Da es Tag war und ich ein gesegnetes Kind bin, gab es aber keine größeren Probleme.
Gestern Nacht war ich noch in South Beach. Echt unglaublich diese Menschen da. Sehr hübsch, große Autos, viel Party und Lifestyle. Ich glaube , jeder in Florida achtet sehr auf sein Aussehen. Es gibt nur wenige Übergewichtige im Vergleich zu den Magersüchtigen. Um es jetzt zu Ende zu bringen: Miami bringt wirklich eine Vielzahl von Kulturen friedlich zusammen und ist sicher kein Paradebeispiel für den amerikanischen Way of Life. Wo sonst lernt man in einer Woche Amerikaner, amerikanische Iraksoldaten, Iraker, Ukrainer, Russen, Tschechen, Nicaraguaner, Kolumbianer, Kubaner uvw. in einem Kurs kennen?
Ich hoffe, ich konnte auf diesem Wege alle eiligen Anfragen nach meinem Wohlbefinden hiermit wenigstens etwas umreißen. Picasa soon, Skype everytime. Vielen Dank an die Crew meiner vorerst letzten Weimartage. Es war mir eine Freude. Auf bald!
Yours R.
